Wie Phoenix aus der Asche…
…so erhebt sich gerade meine Arbeit in Skizzenbüchern aus den stillen Tiefen der Kisten, Bücherregale und Schubladen, in denen sie zuletzt ihr Dasein fristeten.
Früher habe ich sehr viel und sehr intensiv in diesen Büchern gezeichnet – in diesen Büchern gelebt. Wenn ich unterwegs war, hatte ich mein aktuelles Buch immer dabei, wenn ich in der Uni, am Bahnsteig oder auch zuhause warten musste, habe ich gezeichnet, manchmal mussten dann andere warten, weil ich gezeichnet habe. Und natürlich habe ich gezeichnet, wenn wir – mit Freunden oder zu zweit – Geschichten erfunden, erzähl Rollenspiele gespielt, erlebt, gelebt haben. Mit den Kindern, dem Berufseinstieg meines Mannes, meiner eigenen Selbstständigkeit, blieb immer weniger leere Zeit und so mehrten sich die Seiten in den Büchern die leer blieben, bis ich das tägliche Zeichnen im Skizzenbuch ganz aufgegeben hatte.
Für den Katalog nahm ich dann das erste Mal wieder die alten Bücher zur Hand, blätterte Seite für Seite, fühlte das Papier, atmete den Duft dieser lange verborgen gewesenen Welt. Hier wurde der Gedanke geboren, die Bücher unbedingt bei meiner Ausstellung in der Städtischen Galerie Herne zu zeigen. Aber da ich bei einer musealen Ausstellung die Bücher schlecht einfach aufgeschlagen auf Tische legen konnte (wie ich es im Atelier oder zur Fachpraktischen Prüfung getan hatte) und Vitrinen mir zu distanzschaffend sind, musste ich eine Möglichkeit finden, die Bücher an die Wand zu bringen.
Nachdem nun diese Buchpräsentation in Herne viel gelobt und sehr begeistert aufgenommen wurde, sollte ich sie nicht so leicht vergessen…
Doch bis zum 27. Februar hatten weder mein Mann noch ich unseren Kopf bei der Kunst. Die Prüfungsvorbereitungen lagen über Allem und ich schaffte es so gerade, das Antonius-Projekt fertigzustellen. Am 01. März stand im Terminkalender “Aufbau Kunstbox” und natürlich hatte ich auch vorher schon eine grobe Idee: Ich wollte größere Lithografien und kleinere Skizzen mit Magneten auf Nägeln befestigen, um die Arbeiten in der Box jederzeit auswechseln zu können und die Flüchtigkeit der Arbeiten zu unterstreichen. Am 28. Februar musste ich zu meinem Erschrecken feststellen, dass ich es nicht geschafft hatte, kleinere Arbeiten zu erstellen, die zu den Lithografien passten. Klar, ich hatte diese Chimären – aber irgendwie waren sie doch zu eigen und zu sehr ein anderes Thema, um harmonisch neben den Lithos zu stehen. Dann habe ich es mit den Fragmenten versucht, die waren jedoch zu sehr das Gleiche, zu wenig eigener Esprit darin.
Mein Blick streifte langsam suchend durch das Zimmer, in Gedanken besah ich all meine Werke der letzten Zeit, die Aquarelle, die Skizzen, die Kaffeebilder – sollte ich davon noch größere machen? Aber woher die Zeit nehmen? Und mit welchen Geschichten denn überhaupt? - Da blieb mein Sehen mit einem Mal an der Ecke einer Kiste hängen. Eine Kiste voller Skizzenbücher, die seit dem Abbau in Herne wieder in tiefem Dornröschenschlaf versunken waren. Ich befreite sie aus ihrem Verlies, küsste die Idee wach, nagelte sie neben und unter die Lithografien an die Wand und bekam dafür den Prinz – ähm – Preis!
Genauso “unglaublich” wie dieser Preisgewinn war, so unglaublich ist auch die motivierende Wirkung der in Aussicht gestellten Ausstellung in der Galerie des RWE-Towers! Am Wochende habe ich mich bei Boesner mit Skizzenbüchern und Leinwand eingedeckt. Ich habe meine alten Bücher hervorgeholt und schaue, welche schon Juwelen sind, welche ich noch überarbeiten und neu schmieden kann und welche vielleicht zu anderen Dingen, Objekten, Bildteilen verwertet werden können. Es sind so viele Ideen mit einem Mal diesem Phoenixfeuer entstiegen, dass ich oft nicht weiß, was ich gerade in meiner (immer noch seltenen) freien Zeit zuerst anfangen soll. Dann setze ich mich manchmal hin und schreibe so einen langen Blogeintrag, obwohl ich eigentlich nur kurz erwähnen wollte, dass ich sehr schöne kleine Skizzenhefte von Hahnemühle habe, von denen ich schon zwei am Wochenende fertig gezeichnet habe…








Hallo liebe Ute,
vielen Dank für diesen wundervollen Bericht. Ich kenne diese “Wie Phoenix aus der Asche” Situation sehr gut von mir selbst. Auch ich habe es gleich künstlerisch umsetzen müssen, allerdings in Form eines Objektes. Meine Skizzen, Entwürfe und Ideen reichen für weitere 2 Leben. Es ist ein gut behüteter Schatz, den man mit sich trägt. Wie wundervoll. Die fehlende Zeit zur Umsetzung all dieser Ideen zwingt einen unwillkürlich zum Aussortieren, wie bei Aschenputtel “die guten ins Töpfchen………….”. Ich wünsche dir viel Zeit!! LG Gaby
Liebe Gabe! Ja so ist es, man muss Prioritäten setzen und seine Schaffenskraft fokussieren, sonst verlaufen sich die vielen Strömungen im Nichts…
Ich freue mich schon auf die Osterferien – mein Mann hat mir viel Zeit zum Arbeiten versprochen!
Lg Ute