Antonius, Arachnes Fäden und Fragmente
Mit dem Gefühl, Zeit und Raum für anderes gewonnen zu haben, beendete ich gestern meine Edition für die Kunstbox und wollte mich, um diese Gefühl zu verstärken heute morgen gleich an die letzten sechs Antoniuszitate begeben. Ich dachte, ich würde dann eben schnell sechs Zeichnungen machen und wäre fertig… wenn nicht gerade die erste dieser sechs eine gewesen wäre, die mir selbst sehr am Herzen lag, das Zitat:
Ein großer Vogel [der vom Himmel herabfliegt, läßt sich auf dem Scheitel ihrer Haare nieder, …] Sein kleiner Kopf zeigt unter einer silbernen Haube ein Menschengesicht.
Zum einen trifft es mit dem Vogelmenschwesen gerade ganau mein Thema und zum anderen hat Odilon Redon zu diesem Zitat auch eine Lithografie erstellt, die ich sehr mag (zu sehen hier). So hatte ich, kritisch wie ich bin, wenn mir etwas wichtig ist, recht zügig acht Zeichungen angelegt – nur leider alle zu dem Vogelzitat…
Da merkte ich, dass sich die Antoniusserie nicht so einfach abschließen lassen würde und ich mich vielleicht auch in ihr verlieren würde (wollte). Denn eigentlich habe ich für die Kunstbox Kunstmesse am Wochenende noch genug vorzubereiten…
“Fragmente” sind hier auch ein zwielichtiges Ding – Denn ich habe das Gefühl, meine Arbeit zerfällt gerade in alle möglichen kleinen Projekte und Fragmente und seit ein paar Tagen bin ich sehr bestrebt, die Fäden wieder zusammen zuführen und zu einem Ganzen zu verweben. Das errinnert mich gerade an das Nachwort zu Ovids “Metamorphosen”, die ich gerade lese und in dem Ovid selbst mit der Weberin Arachne verglichen wird, welche Schandtaten, Sünden und Verfehlungen des Pantheons zu einem wunderschönen Gewebe verspinnt. Hier finde ich auch, während ich schreibe wieder Anregungen und Bezüge zu der Arbeit, welcher ich mich nach dem aufregenden und arbeitsintensiven Februar widmen möchte. Die “Metamorphosen” spielen dabei ein wichtige Rolle, den sie sind der Stoff, aus dem Alles gemacht wird und der Faden, der Alles zusammen hält: zum einen meine “Chimären-” und “Mensch-Wolf-Thematiken”, die ich für meine Ausstellung in der Galerie Forma:t in Berlin zusammen stellen werde und zum anderen die Ideen und Vorstellungen zur Malerei für Grimma und weitere, noch in der Ferne der nächsten Jahre liegenden Projekte. Auch kann ich Gedankengewebe des letzten Jahres wieder aufgreifen und alles mit den Handlungssträngen der Geschichte meines Protagonisten zu einem Werk verweben.
“Der seidene Faden, an dem manches Mal alles hängt, ist oft auch der rot, der alles zusammenhält.
(Oder so ähnlich lautete ein Zitat, das ich auf irgendeinem Blog einst gelesen habe, das mir sehr gefällt und dessen Urheber mir leider unbekannt ist…)”
Weiter habe ich mir vorgenommen, nicht mehr über das mir fehlende Atelier zu klagen, sondern den Raum, der mir hier zur Verfügung steht, zu nutzen, und größere Werke aus Fragmenten zusammen zu setzen. Andererseits habe ich beim Sortieren und Auswählen meiner Lithografien gemerkt, dass gerade im letzten Jahr, in dem ich immer experimenteller mit dem Material hantierte, einige Drucke entstanden sind, die mich nicht überzeugten. Das ist natürlich nicht verwunderlich, doch, um meinen eigenen Qualitätsstandard zu halten und stetig zu verfeinern, habe ich hier gründlichst aussortiert. Die Guten in die Mappe und die Schlechten … nun, mit den Schlechten wusste ich erst nichts anzufangen, denn, obwohl sie als große Arbeit nicht überzeugten, wollte ich sie auch nicht wegwerfen – zum einen ist dieses große Büttenpapier teuer und zum anderen gab es doch immer wieder Stellen, Details und Bereiche, in die ich mich vertiefen und verlieben konnte. Ich erinnerte mich daran, dass ich früher meine Visitenkarten aus Fehldrucken erstellt habe und dabei letztlich eine, mit Konturen versehene Folie nutzte, um spannendsten Ausschnitte zu finden und zu markieren.
So entstanden auch die Lithofragmente, die mir als kleinere Arbeiten nun wieder sehr zusagten. Im Detail geben sie einen noch intensiveren Blick auf die wunderbaren Formen und Strukturen der Lithografie preis. Mit Tusche und Feder zog ich feine Linien und setzte kleine Figuren in das Bild. Aus den gegenstandslosen Fragmenten wurden von Wesen durchstreifte Landschaften.
~ by U.Schätzmüller on February 25, 2013.
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Tags: Arachne, Art, Bilder, Chimäre, Druckgrafik, Figur, Grafik, Hybrid, Ideen, Kunst, Licht, Lithografie, Mensch, Metamorphosen, Ovid, Roter Faden, Schwarz, schwarz-weiß, Seidener Faden, Tusche und Feder, Tuschezeichnung, Weiß








Liebe Ute,
du sprichst mir aus der Seele und dein Vergleich der Weberin hat mir sehr geholfen und zugesagt.
Ja, wir weben die Projektfäden zu einem ganzen zusammen, zu unserem Werk.
Ich hatte übrigens den selben Gedanken, zeichnen wir doch mal schnell 7 Antonius Zitate…. da muss ich ja über mich selber lachen!
Schön deine Ausschnitte – gefällt mir
Liebe Grüße von Susanne
Ja liebe Susanne,
würden wir tatsächlich schnell “mal eben” die verbliebenen Zitate zeichnen, wären sie nicht authentisch…so bleiben wir lieber bei ehrlicher und aufwändiger Kunst.
Liebe Grüße Ute
Genauso ist es Ute, einen schönen Morgen wünsche ich dir ……
Dir auch liebe Susanne
fantabulous work
Thank you!
It was hidden long enough in a portfolio for my failed prints and now I simply cut the diamonds out!
Greetings Ute
[...] und zu sehr ein anderes Thema um harmonisch neben den Lithos zu stehen. Dann habe ich es mit den Fragmenten versucht, die waren jedoch zu sehr das gleiche, zu wenig eigener ésprit [...]