Hilarion (Verlorener Sohn oder Sohn des Teufels…)
Mir bleiben noch acht Zitate aus den “Versuchungen des Heiligen Antonius” zu zeichnen, um alle Zitate, die wir für den Katalog über die ersten drei Kapitel brauchen, zusammen zu haben. Diese letzten Zitate sind nicht einfach. Manche sind so konkret, dass ich überlegen muss, wie ich sie abstrahiere, um meiner Art gerecht zu werden – andere sind so abstrakt, dass es nicht leicht fällt, sie darzustellen.
Gestern habe ich mir neben dem Mondlicht, dass auf das Kind fällt auch das zweite Zitat des dritten Kapitels vorgenommen, dass Susanne ausgesucht hatte:
Es ist, als ob Gewissensqualen und eine Art rasenden Wahnsinns dich alles, auch die Zärtlichkeit eines Hundes oder das Lächeln eines Kindes, zurückweisen ließen.
Zuerst dachte ich das lächelnde Kind oder den Hund oder beide zu zeigen, doch dann las ich die Szene bzw. das ganze dritte Kapitel noch einmal und empfand den Dialog zwischen dem Kind und Antonius als einen der spannendsten des gesamten Werks. Einige Stellen hatte ich angestrichen, die wir nun (vorerst) nicht zeichenn werden. Ich möchte kurz davon erzählen:
Das Kind, klein, bleich und abgemagert, stellt sich Antonius als dessen ehemaliger Schüler Hilarion vor.
Antonius
Deine Stimme, sie hat einen Klang der einen zu Eis erstarrt.
Hilarion
Weil Bitternis mich nährte.
Dieser mag es erst nicht glauben, lässt sich dann aber von den geschickten Worten Hilarions, der alles bisher Vorgefallene weiß und angibt, Antonius selbst nie verlassen zu haben (und der während der Szene auf übernatürliche Art an Größe gewinnt) überzeugen. Wortgewand spielt er Antonius’ Aussagen stets gegen ihn selbst aus und verführt ihn stets zu immer größerem Zweifel an sich selbst und der Welt:
Hilarion
Alle Todsünden waren da. Aber ihre armseligen Vorspiegelungen haben einem heiligen Manne wie Dir nichts anhaben können.
Antonius
Sage das nicht! In jedem Augenblick werde ich schwach…
[...]
Hilarion
Heuchler, der sich in die Einsamkeit vergräbt, um sich dem Erguß seiner Lüsternheit nur umsomehr hinzugeben! Du beraubst Dich des Fleischgenusses, des Weines, des Bades, der Sklaven und der Ehren; aber wie schön lässest Du Dir von Deiner Einbildungskraft Schlemmermähler, Wohlgerüche, nackte Weiber und Dir zujubelnde Volksmassen verführen!
Deine Keuschheit ist nur eine verfeinerte Verderbtheit, und Deine Weltverachtung nichts als dein ohnmächtiger Menschenhaß!
Nachdem er Antonius’ Überzeugungen, sein Leben und seinen Glauben in Frage stellen konnte, bietet Hilarion Antonius an, ihn zu Orten (in seinem Geist) zu führen, die das Wissen über den Zusammenhalt der Welt bergen.
Hilarion
Begehrst Du die Rangordnung der Engel zu kennen, die Kraft der Zahlen, die Gesetze der Entstehung und der Wandlungen?
Antonius
Ja, ja! Mein Denken rüttelt am Gitter seines Gefängnisses! [...]
Hilarion
Es gibt viele Gelehrte. Es gibt sie sogar ganz in deiner Nähe. Hier! Lass uns eintreten!
Die gesamte Unterhaltung zwischen Antonius und dem ihn bis zum Ende der Erzählung nicht mehr verlassenden Hilarion finde ich so spannend, dass ich in den sechs Zitaten des dritten Kapitels gerne die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten darstellen möchte. Den Inhalt ihrer Worte werde ich dann als Aquarellzeichungen in der die Figuren umspielenden Aquarellfarbe unterbringen. Dafür eignet sich die weiße Aquarellfarbe, die ich so gerne verwende, hervorragend!




Liebe Ute,
ein gelungener Text und ein gelungenes Blatt. Ich werde jetzt mein Mailfach leerräumen und dann noch an den Bienen weiterarbeiten.
LG Susanne
Viel Erfolg! Ich habe die Biene eben gezeichnet – Eigentlich wollte ich ja nicht so viele Versionen machen aber dann war das Zeichnen einer Tänzerin doch irgendwie so spannend, dass ich jetzt sechs Blätter colorieren muss
Lg Ute
More fabulous images. You are really rockin’ this series. Well done. Thoroughly enjoyable.
Thank you so much – reading your comments in the morning is like a cup of fresh coffee!
[...] und ich haben uns schon auf die Zitat der ersten drei Kapitel geeinigt. Ute hat sich gestern mit Antonius ehemaligen Schüler – Hilarion – auseinander [...]
Eine wunderschöne Arbeit!
[...] ein Gesprächsfetzen zwischen Hilarion und Antonius. (Mehr zu der Bezeihung der beiden habe ich hier [...]
[...] Jetzt sind alle vier Versionen des Antonius angefüllt mit Farben und allerlei Versuchungen, Frauen, Vögel, Schakale, Fledermäuse, Schlangen und anders Getier – und natürlich dem Teufel, ähm, ich meinte natürlich Hilarion… [...]